.

Aktivitäten

Das Programm IPMwise liefert Empfehlungen von Herbiziden und Aufwandmengen auf Basis von Dosis-Wirkungs-Daten und sogenannten Zielwirksamkeit (TE), die für jede Unkrautart festgelegt wurde. Hierbei handelt es sich um ein modifiziertes Schadensschwellenkonzept. Sensitive und resistente Unkräuter werden mit unterschiedlichen Zielwirksamkeiten im Programm berücksichtigt. Die angestrebten Zielwirksamkeiten nehmen mit der Größe und der Anzahl der Unkräuter zu. Auf Grundlage der Dosis-Wirkungsbeziehungen und der Zielwirksamkeiten der Einzelunkräuter werden Tankmischungen oder auch Einzelherbizide berechnet, von denen der  Nutzer eine die für sich geeignete Variante auswählt (Abb. 1).

Aktivitaeten deutsch Abb1 Vorschlaege Bekaempfung

Die Ergebnisse dienten zur stetigen Optimierung des Programms. In den Validierungsversuchen wurden zwei  DSS-Varianten mit unterschiedlichen Zielwirksamkeiten (DSS 1, DSS 2) im Vergleich zu einer praxisüblichen Empfehlung (regionaler Standard) in Winterweizen und Mais getestet und 4 Wochen nach der Behandlung bewertet.

In die Auswertung der deutschen Winterweizenversuche sind sowohl Frühjahrs- als auch Herbstbehandlungen eingeflossen. Zusammenfassend wurde in den regionalen Standard-Varianten ein mittlerer Wirkungsgrad von 93% und ein Behandlungsindex von 1,61 bei einem mittleren Preis von rd. 39 € bestimmt. Die beiden DSS-Varianten wiesen insgesamt etwas niedrigere Wirkungsgrade aus (Tab. 1). Betrachtungen der Einzelstandorte zweigen aber, dass durchaus sehr hohe Wirkungsgrade bei niedrigeren Behandlungsindices erreicht werden können (Abb. 2). Zahlreiche Versuche belegen, dass eine geringe Restverunkrautung einer Fläche Ernteerträge nicht negativ beeinflusst. Erwartungsgemäß waren die mittleren Behandlungsindices in den DSS-Varianten deutlich niedriger als in der Standard-Variante (1,14 bzw. 0,80 gegenüber 1,61). Die Kosten für die Herbizid-Behandlung in der sicheren DSS-Variante (1) lag 32% niedriger als in der lokalen Standard-Variante, mit der gewagten DSS-Variante (2) konnten sogar 57% niedrigere Kosten realisiert werden. In den deutschen Maisversuchen traten nach regionaler Standardbehandlung mittlere Wirkungsgrade von 99% auf. In der sicheren Variante DSS 1 wurde ein mittlerer Wirkungsgrad von 92% ermittelt und in der gewagten Variante DSS 2 ein Wirkungsgrad von 88% (Tab. 1). Der mittlere Behandlungsindex in den DSS-Varianten lag mit 1,19 bzw. 0,99 deutlich unter dem des regionalen Standards (1,72). Der Behandlungsindex und die mittleren Kosten korrelierten positiv. Die DSS-Varianten erzielten mittlere Kosteneinsparungen von bis zu 55% bzw. 44%.

In der praktischen Anwendung des IPMwise kann der Nutzer die angestrebten Zielwirksamkeiten individuell - je nach Risikobereitschaft oder Erfahrungen - verändern. Zudem können die Herbizide ausgewählt und festgelegt werden, mit denen der Nutzer weiterarbeitet möchte. Darüber hinaus wird ein konsequentes und gezieltes Vorgehen zur Vermeidung von Herbizidresistenzen zunehmend wichtiger. IPMwise unterstützt den Anwender dabei, in dem es grundsätzliche Empfehlungen gibt, die das Resistenzrisiko senken. Außerdem sind für kritische Unkrautarten wie z.B. den Acker-Fuchsschwanz oder den Gemeinen Windhalm die Ziel-Wirksamkeiten vergleichsweise hoch angesetzt. Damit wird sichergestellt, dass auch bei geringeren Unkrautdichten mit der optimalen Kombination von Herbizid und Dosis sehr hohe Wirkungsgrade erreicht werden und häufige Fehler im Resistenzmanagement vermieden werden. Darüber hinaus werden mechanische Bekämpfungsverfahren angeboten, die derzeit aber noch auf die Anwendung in Mais begrenzt sind. 

Das Programm ist für die Anwendung in Winterweizen und Mais grundsätzlich einsatzbereit. Für den Mais werden noch kleinere Anpassungen vorgenommen. Eine kontinuierliche Pflege des Programms, die den aktuellen Zulassungsstand von Herbiziden berücksichtigt, ist weiterhin erforderlich, um die sichere Anwendung zu gewährleisten

Aktivitaeten deutsch Tab 1 2017-2018 Mittlere Wirkungen

Aktivitaeten deutsch Abb2 Wirkungsgrade Behandlungsindices_2020

Abb. 2: Wirkungsgrade und Behandlungsindices in Versuchen mit Mais und Winterweizen.

FAZIT

Das Projekt DSS-IWM konnte zeigen, dass der erforderliche Herbizidaufwand und damit das notwendige Maß deutlich unter praxisüblichen Aufwandmengen und regionalen Empfehlungen liegen können. Es sind jedoch noch kleinere Anpassungen am Programm erforderlich, um die Anwendung für Landwirte und Berater ausreichend sicher zu machen.

Zukünftig werden solche Entscheidungshilfen unverzichtbar sein, um routinemäßige Herbizidmaßnahmen zu vermeiden. Gezielte Anwendungen gegen Unkräuter sind dagegen nicht nur wirtschaftlicher, sie sind auch aus ökologischen Gründen geboten.  Ein Programm wie IPMwise wird, wie andere Entscheidungshilfen auch, zukünftig ein wichtiger Baustein für den integrierten Pflanzenschutz sein.